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16.09.2012

Die Spezialmutter

Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige unter gesellschaftlichem Druck und ein paar aus reiner Gewohnheit. Dieses Jahr werden 100.000 Frauen Mütter behinderter Kinder werden.

Ich stelle mir Gott vor, wie er über der Erde schwebt und die Werkzeuge der Arterhaltung mit größter Sorgfalt und Überlegung aussucht.

Er beobachtet genau und diktiert seinen Engeln Anweisungen ins riesige Hauptbuch:  "Amstrong, Beth: Sohn. Schutzheiliger: Matthias. Forest, Marjorie: Tochter. Schutzheilige: Cäcilie. Rutledge, Carrie: Zwillinge. Schutzheiliger?
Gebt ihr Gerhard, der ist es gewohnt, wenn geflucht wird."

 
Schließlich nennt er seinen Engeln einen Namen und sagt lächelnd: "Der gebe ich ein behindertes Kind!" Der Engel wird neugierig:" Warum gerade ihr, oh Herr? Sie ist doch glücklich." "Eben deswegen", sagte Gott lächelnd.
"Kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt? Das wäre grausam."

 

"Aber hat sie denn die nötige Geduld?" fragte da ein Engel. "Ich will nicht, dass sie zu viel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweifelung.Wenn der anfängliche Schock und Zorn abgeklungen ist, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, die bei Müttern zu selten und nötig sind.
Verstehst du: das Kind, das ich ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt leben. Und sie muss es zwingen, in der ihren zu leben, das wird nicht leicht werden."

 
"Aber Herr, soviel ich weiß, glaubt sie nicht einmal an dich!" Gott lächelt. Das macht nichts, das bringe ich schon wieder in Ordnung. Nein, sie ist geeignet. "Sie hat genügend Egoismus." Der Engel ringt nach Luft:" Egoismus? - Ist das eine Tugend?" Gott nickt. "Wenn sie sich nicht gelegentlich von diesem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen. Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde. Nie wird sie ein gesprochenes Wort als etwas Selbstverständliches hinnehmen.Nie ein Schritt nach vorn, als etwas Alltägliches. Wenn ihr Kind zum ersten Mal "MAMA" sagt, sei es auch nur mit den Augen, wird ihr klar sein, dass sie ein Wunder erlebt.

 
Wenn sie einem blinden Kind einen Baum, einen Sonnenuntergang schildert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meine Schöpfung jemals sehen.Ich werde ihr erlauben, alles deutlich zu erkennen, was auch ich erkenne: Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile... Und ich werde ihr erlauben, sich darüber zu erheben.

Sie wird niemals alleine sein. Ich werde bei ihr sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil sie meine Arbeit ebenso sicher tut, als sei sie hier neben mir."


" Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen?" fragt der Engel mit gezückter Feder. Da lächelte Gott. "Ein Blick in den Spiegel wird genügen."

 

Quelle: www.raupe-lina.de